Wenn ein Kaffee in der Tasse besonders glasklar, frisch und elegant wirkt, dann steckt meist die Nassaufbereitung, im Fachjargon auch Washed Coffee oder Washed Process, dahinter. Diese Methode gehört zu den ältesten und am weitesten verbreiteten Formen der Kaffeeaufbereitung. Viele Länder haben sie zu ihrem Standard gemacht, weil sie Kaffees hervorbringt, die für ihre klare Struktur, feine Säure und Eleganz geschätzt werden.

Was bedeutet Washed Coffee?
Die Kaffeekirsche besteht aus Haut, Fruchtfleisch, Mucilage (Schleimschicht), Pergamenthäutchen und der eigentlichen Bohne. Bei der Nassaufbereitung wird das Fruchtfleisch mithilfe von Wasser entfernt. Anschließend sorgt eine kontrollierte Fermentation dafür, dass auch die klebrige Mucilage verschwindet.
Das Ziel des Washed Process ist eine möglichst reine Bohne, bei der das Terroir – also Herkunft, Klima und Varietät – im Geschmack klar erkennbar bleibt. Anders als bei der Natural-Aufbereitung, wo die ganze Kirsche trocknet, liegt der Fokus hier auf Transparenz und Reinheit.
So funktioniert die Nassaufbereitung Schritt für Schritt
Nach der Ernte werden die frisch gepflückten Kirschen in Wasserbecken sortiert. Reife Früchte sinken nach unten, während die schlechten und unreifen schwimmen und aussortiert werden. Anschließend entfernt eine Maschine die Fruchtschale.
Die Bohnen sind nun zwar frei von der äußeren Haut, aber noch von einer süßlich-klebrigen Schicht überzogen – der sogenannten Mucilage. Damit diese verschwindet, kommen die Bohnen für zwölf bis 48 Stunden in einen Fermentationstank. Dort sorgen natürliche Mikroorganismen dafür, dass sich die Schleimschicht löst. Danach werden die Bohnen gründlich mit Wasser gespült, bis keine Rückstände mehr haften.
Im letzten Schritt erfolgt die Trocknung: Die Bohnen werden auf Trockenbetten oder Patios ausgebreitet, bis ihr Feuchtigkeitsgehalt auf rund zwölf Prozent gesunken ist.
Geschmack von Washed Coffee – das erwartet dich
Washed Kaffees zeichnen sich durch ihre Klarheit, Frische und Eleganz aus. Typisch sind feine Zitrusnoten, florale Nuancen und eine elegante Säure. Der Körper wirkt meist leichter als bei anderen Aufbereitungen, dafür ist der Ursprungsgeschmack der Bohne deutlich erkennbar.
• Ein äthiopischer Yirgacheffe erinnert oft an Jasmin, Bergamotte und Schwarztee.
• Kenianische Kaffees sind bekannt für intensive Zitrusfrüchte, Johannisbeere und lebendige Säure.
• In Kolumbien dominieren balancierte Kaffees mit roter Frucht und einem Hauch Schokolade.
➡️ Wenn du probieren willst, wie gewaschene Kaffees in der Praxis schmecken, schau dir unsere Bohnenreviews an.
Typische Herkunftsländer
Der Washed Process ist in vielen Ländern Standard:
• Kolumbien verarbeitet fast alle Kaffees auf diese Weise.
• Äthiopien bietet sowohl Natural- als auch Washed-Kaffees, wobei die gewaschenen Varianten für ihre feine Eleganz berühmt sind.
• Auch in Mittelamerika – etwa in Guatemala, Honduras oder Costa Rica – sind gewaschene Kaffees weit verbreitet.

Vor- und Nachteile der Washed-Methode
Die Nassaufbereitung hat viele Vorteile. Sie sorgt für eine besonders saubere Tasse und bringt die Eigenheiten von Herkunft und Varietät deutlicher zum Vorschein als jede andere Methode. Zudem lässt sich der Prozess gut steuern, sodass Farmer verlässlich hochwertige Ergebnisse erzielen können.
Doch es gibt auch Schattenseiten: Der hohe Wasserverbrauch kann in Regionen mit knappen Ressourcen problematisch sein. Außerdem erfordert die Methode eine gewisse Infrastruktur – Tanks, Kanäle und Waschbecken, die nicht jeder Betrieb bereitstellen kann. Und wenn die Fermentation nicht sorgfältig kontrolliert wird, können unerwünschte Geschmacksnoten entstehen.
Für wen ist Washed Coffee ideal?
Washed Kaffees sind perfekt für alle, die es klar, strukturiert und elegant mögen.
• Als Espresso überzeugt er mit feiner Säure und klarer Linie.
• Als Filterkaffee entfaltet er florale, teeartige Noten und zeigt, wie spannend Herkunftsprofile sein können.
Fazit: Warum die Nassaufbereitung so beliebt ist
Die Nassaufbereitung von Kaffee ist eine Königsdisziplin. Sie bringt Kaffees hervor, die den Charakter der Bohne unverfälscht widerspiegeln und für Klarheit, Frische und Eleganz stehen. Wer Kaffee wirklich in seiner puren Form erleben will, kommt am Washed Coffee nicht vorbei.
➡️ Mehr über andere Aufbereitungsarten erfährst du in unserer Serie, z. B. zum Natural Process.
Tipp für zuhause
Wenn du die feinen Unterschiede eines Washed Kaffees erleben willst, lohnt sich ein präzises Brüh-Setup.
• Für Filterkaffee: ein V60 Handfilter
• Für Espresso: eine genaue Kaffeewaage
Damit holst du das Beste aus jeder Bohne heraus.
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